Mittelalterliche Medizin im modernen Licht: Wie ein uraltes Rezept MRSA-Keime bekämpfen könnte
22. August 2025Antibiotikaresistenzen zählen heute zu den größten Herausforderungen der modernen Medizin. Immer häufiger stoßen Ärzte auf multiresistente Bakterien wie MRSA (Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus), gegen die gängige Therapien kaum noch wirksam sind. Überraschenderweise liefert jedoch ein Blick in die Vergangenheit neue Hoffnung: Ein über 1.000 Jahre altes Rezept aus einem angelsächsischen Heilbuch zeigt in aktuellen Studien bemerkenswerte antibakterielle Wirkung.
Das Rezept aus dem 9./10. Jahrhundert
Das sogenannte Bald’s Eyesalve stammt aus dem Bald’s Leechbook, einem medizinischen Manuskript aus dem 10. Jahrhundert. Ursprünglich wurde die Rezeptur zur Behandlung von Augeninfektionen beschrieben, doch die Mischung aus Knoblauch, einer weiteren Lauchart (Zwiebel oder Lauch), Wein und Galle, neun Tage in einem Messinggefäß gereift, erwies sich auch gegen hochresistente Bakterien als wirkungsvoll.
Wissenschaftliche Untersuchungen
Forscher der University of Nottingham testeten das Mittel 2015 in Laborexperimenten. Die Ergebnisse waren verblüffend: Die Rezeptur konnte bis zu 90 % der MRSA-Bakterien abtöten, während die einzelnen Zutaten isoliert betrachtet kaum Wirkung zeigten. Entscheidend war die Kombination der Inhaltsstoffe sowie die traditionelle Herstellungsweise.
Eine Folgestudie von 2020 bestätigte diese Resultate und zeigte, dass die Rezeptur besonders effektiv gegen Bakterien in Biofilmen wirkt – ein Zustand, in dem Krankheitserreger besonders widerstandsfähig gegenüber Antibiotika sind. Dies deutet darauf hin, dass mittelalterliche Ärzte durch praktische Erfahrung Rezepturen entwickelten, die ein erstaunlich komplexes Wirkprinzip hatten.
Bedeutung für die moderne Medizin
Auch wenn die Forschung noch in einem frühen Stadium ist, bietet dieses Beispiel wichtige Erkenntnisse:
- Traditionelle Heilmethoden können inspirierende Ansätze für neue Therapien liefern.
- Die Wirksamkeit von Heilmitteln hängt nicht allein von einzelnen Wirkstoffen ab, sondern oft von der Synergie mehrerer Bestandteile.
- Angesichts der globalen Antibiotikaresistenz könnte die Rückbesinnung auf historische Rezepte neue Türen öffnen.
Natürlich ist es ein weiter Weg, bis aus einem alten Rezept ein modernes Medikament wird. Klinische Studien am Menschen stehen noch aus, und die Sicherheit der Rezeptur muss gründlich geprüft werden. Dennoch zeigt diese Forschung eindrucksvoll, dass die Vergangenheit manchmal der Schlüssel zur Zukunft sein kann.
Quellen wissenschaftlicher Studien
- Harrison, F. et al. (2015): A 1,000-year-old antimicrobial remedy with anti-biofilm activity. mBio, 6(4):e01129-15.
- Harrison, F. et al. (2020): The combination of ingredients in Bald’s eyesalve is crucial for activity against bacterial biofilms. mBio, 11(4):e02090-19.
- University of Nottingham Press Release (2015): AncientBiotics – a medieval remedy for modern-day superbugs.

